Managed Services zwischen Mensch und KIErschienen in: Digital Law 2026 – Handelsblatt-Sonderpublikation vom 09.04.2026

KI übernimmt Routineaufgaben. Menschen treffen Entscheidungen. Klingt einfach – ist es aber nicht.

Gerade im Rechtsbereich stellt sich die Frage, wie Mensch und Maschine im täglichen Mandat wirklich zusammenarbeiten: Wer trägt Verantwortung? Wer prüft, wer entscheidet, wer haftet?
Die Handelsblatt-Sonderpublikation Digital Law 2026 bündelt die wichtigsten Perspektiven für den Rechtsmarkt von morgen: von KI in der Kanzlei über den Data Act bis zur Zukunft des Anwaltsberufs. Themen, die uns täglich beschäftigen. Wir freuen uns, mit einem Interview unseres Vorstands Dr. Georg Berger und Nils Oberschelp zu „Managed Services zwischen Mensch und KI“ Teil dieser Publikation zu sein.

Die vollständige Ausgabe finden Sie hier.

Wer direkt reinlesen möchte – unser Beitrag zu Digital Law 2026:

Dr. Georg Berger und Nils Oberschelp, die Chefs des rasch wachsenden Managed Services Providers Clarius Group, über Chancen und Grenzen künstlicher Intelligenz, das Zusammenspiel von Technologie und Beratung – und warum ihre Services für Unternehmen jeder Größe attraktiv sind

Herr Dr. Berger, Herr Oberschelp, Sie bieten Dienstleistungen für Legal und Financial Services an. Wie sehr verändert KI dieses Geschäftsmodell?

Dr. Georg Berger: Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Legal-, Compliance- und Finanzprozesse effizienter aufzustellen – als Managed Services Provider mit eigener Technologieplattform. Das ist wichtig als Kontext, denn: KI kann heute viel automatisieren, aber Software übernimmt keine Verantwortung für ihre Ergebnisse. In unseren Bereichen – Legal, Compliance, Financial Operations – muss aber jemand dafür geradestehen, dass ein Ergebnis korrekt ist. Daher kombinieren wir KI-gestützte Technologie mit Expertenwissen, angemessen zum jeweiligen Fall. Wo der Kunde es wünscht, übernehmen wir die volle Ergebnisverantwortung bis hin zur Anwaltshaftung. Der Kunde bestimmt den Grad zwischen maximaler Effizienz und maximaler Absicherung.

Nils Oberschelp: Standardfälle in der Rechtsberatung können automatisiert werden. Das sehen wir längst und es wird noch deutlich zunehmen. Wir erleben eine Industrialisierung des Rechts, das hören Anwälte nicht so gerne. Aber genau deshalb braucht es ein Modell, das beides verbindet.

Dr. Georg Berger: High-Tech mit High-Brain – auf diese Formel lässt sich das Beratungsgeschäft der Zukunft in den Bereichen Legal und Finance bringen. Kunden erwarten heute selbstverständlich eine gute, KI-gestützte Software, darüber hinaus echte Prozessintegration und das, was man mit »Human in the Loop« bezeichnet.

Was genau macht die Clarius Group?

Nils Oberschelp: Wir unterstützen Unternehmen bei der Auslagerung und Optimierung ihrer Supportfunktionen in zwei großen Feldern: Legal und Compliance auf der einen Seite, Financial Operations auf der anderen. Im Finanzbereich übernehmen wir zum Beispiel das komplette Forderungsmanagement, Credit-Risk-Bewertungen oder das Claim-Management. Für einen großen internationalen Konzern stellen wir die gesamten Finance Operations. Das ist heute einer unserer größten Geschäftsbereiche. Wir sind damit für Leiter von Rechtsabteilungen genauso interessant wie für Finanzchefinnen und -chefs.

Dr. Georg Berger: Als technologiegetriebener Managed Services Provider ist unsere Spezialität genau das, was wir eingangs diskutiert haben: die enge Verknüpfung von Technologie – unsere eigenentwickelte, KI-gesteuerte Softwarelösung– und persönlicher Beratung. Dabei bestimmen die Kunden den Umfang der Dienstleistungen, ob einzelne Aufgaben oder die vollständige Übernahme ganzer Abteilungen, etwa in Finanzen und Buchhaltung.

Nils Oberschelp: Wir sind einer der wenigen unabhängigen Managed Services Provider in Deutschland, der Legal, Compliance und Financial Operations aus einer Hand mit eigener Technologie anbietet. Wir haben im Moment rund 200 Kunden und es werden immer mehr.

Welche Services fragen Unternehmen typischerweise nach?

Dr. Georg Berger: In den Rechts- und Complianceabteilungen von Unternehmen ist sehr viel juristisches Fachwissen nötig, um alle Regularien, Nachweis- und Berichtspflichten korrekt zu erfüllen. Das ist nicht einfach, zumal es oft Änderungen und Neuerungen gibt. Hier besteht große Nachfrage. Durch unsere Consultants bieten wir Kompetenzen in allen relevanten Rechtsgebieten wie Wirtschafts-, Arbeits-, Zivil- und Vertragsrecht, daneben bieten wir das Wissen von Compliance-Experten, von TÜV-zertifizierten Datenschutzbeauftragten oder Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Nils Oberschelp: Beispiele unserer Arbeit sind der Cyber Resilience Act, die NIS-2-Umsetzung oder die Datenschutzgrundverordnung. Beauftragt man uns, sorgen wir dafür, dass alles korrekt läuft.

Legal und Finance Operations brauchen beides: Mensch und KI.

Für welche Unternehmen ergibt es Sinn, mit der Clarius Group zusammenzuarbeiten?

Dr. Georg Berger: Größe spielt keine Rolle. Wir arbeiten für internationale Großkonzerne, die uns komplette Aufgabenbereiche anvertrauen, genauso wie für mittelständische Kunden, die es schätzen, dass nicht bei jedem rechtlichen Problem aufs Neue hohe Kosten anfallen, sondern wir ihnen ein faires und verlässliches Preismodell bieten. Und vor allem sind wir dank unserer Technologie sehr schnell.

Nils Oberschelp: Selbstständige gehen zu unserer Tochterfirma janolaw. Sie bietet softwarebasierte voll automatisierte Lösungen für standardisierte Rechtsfragen, also die Fälle, bei denen keine individuelle Beratung oder persönliche Haftung erforderlich ist. Tausende Kleinunternehmen in Deutschland vertrauen darauf.

Sie betonen, wie wichtig die Verbindung von Mensch und Maschine ist. Wie muss man sich das vorstellen?

Dr. Georg Berger: Unsere Software, die »Solutions Suite«, bündelt die Aufgaben, die wir für einen Kunden übernehmen, in einer Oberfläche und sorgt so für Übersicht und Kontrolle. Wir automatisieren Standardaufgaben so weit wie möglich, lassen aber niemanden mit der Technik allein: Unsere Kolleginnen und Kollegen unterstützen und beraten überall dort, wo es um individuelle Lösungen, komplizierte Fälle, aufwendige Sonderaufgaben geht. In dieser Verknüpfung sehen wir die Zukunft nicht nur der Rechtsberatung, sondern im Grunde aller Aufgaben in den Legal und Financial Operations. Es ist unser Anspruch, auf diesem Gebiet einer der Technologievorreiter im deutschen Markt zu sein.

Kann diese Art von Dienstleistung dann irgendwann voll automatisiert ablaufen?

Dr. Georg Berger: Das machen wir ja heute schon, aber nur in Bereichen, in denen auch Fehler passieren dürfen, denn eine gewisse Fehlertoleranz ist Grundvoraussetzung für voll automatisierte Lösungen. Dagegen wird auch in absehbarer Zukunft kein Kunde reine KI-Lösungen akzeptieren, wenn es um rechtliche Anforderungen, Datenschutz oder Compliance geht. Rechtsberatung ist gesetzlich an eine persönliche Verantwortung gebunden. Eine KI kann diese Haftung nicht übernehmen. Unsere Juristen schon. Das ist ein struktureller Vorteil, den man nicht einfach digitalisieren kann. Für Datenschutz- oder Compliance-Vorschriften gilt das ebenso.

Nils Oberschelp: Deswegen setzen wir auf KI-gestützte Software-Lösungen, liefern dabei aber weit mehr als ein Tool. Wir arbeiten direkt in den Prozessen unserer Kunden mit. Unsere Teams sind oft wie eine externe Abteilung eingebunden. Dadurch entsteht gegenseitig viel Vertrauen. Diese Verknüpfung von Legal und Financial Services wird künftig eine noch größere Rolle im Markt spielen.

Wie sieht Ihr Preismodell aus?

Nils Oberschelp: Den Kunden kommt es darauf an, dass ihre Aufgaben zuverlässig erfüllt werden. Deshalb arbeiten wir mit Pauschalen und Outcome-basiertem Pricing. Wir werden also für Ergebnisse bezahlt, nicht für die Zahl der ans System angeschlossenen Nutzer auf Kundenseite.

Besonders stark wächst auch Ihr Bereich Financial Services. Warum?

Nils Oberschelp: Weil dort genau diese Kombination aus KI und menschlicher Expertise entscheidend ist. KI kann viele Routineaufgaben übernehmen, etwa im Claim-Management oder beim Credit-Scoring. Aber bei komplexen Fällen braucht es Erfahrung und manchmal auch Verhandlungsgeschick.

Welche Rolle spielt die Größe eines Managed Services Providers?

Dr. Georg Berger: Mehr Kunden bedeuten mehr Know-how, noch bessere Systeme, das hilft beiden Seiten. Wir haben gezeigt, dass ein unabhängiger Managed Services Provider am Markt bestehen und stark wachsen kann. Langfristig wollen wir von einem technologiegetriebenen Dienstleister zu einer Plattforminfrastruktur kommen, die von unseren Expertinnen und Experten für Legal, Compliance und Finance unterstützt wird. Wir sind bereit für weitere Schritte. Und wir sind überzeugt: Der Markt ist es auch.

Ihr persönlicher Kontakt

Matthias SchulzDirector Sales

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